Filmabend: „Der Kick“

Fr 20.7. | 20:00 Uhr |  Haus 1, Seminarraum 2 (FreiLand)

 

Der zweite Schub von Misshandlungen beginnt. Marco Schönfeld wirft ihm nun etwas Spezifisches vor: mit seinen blondierten Haaren wolle Marinus ‚vertuschen‘, dass er Jude sei. Die weiteren Fausthiebe sollen ein Geständnis erzwingen. Monika Spiering und ihr Lebensgefährte sind die ganze Zeit anwesend. Die Quälereien auf ihrer Veranda unterbinden sie nicht und Spiering meint schließlich lapidar zum Geprügelten: „Nu sag schon, dass du Jude bist, dann hören die auf.“ Irgendwann sind der Schmerz und die Verzweiflung zu groß, und Marinus sagt: „Ja, ich bin Jude“. „Dann ging es richtig los“, wie Marcel Schönfeld mit all der nüchternen Rohheit in seiner zweiten Vernehmung zu Protokoll gab.“

– Markus Bitterolf, „Über den Mord an Marinus Schöberl vor 15 Jahren“

aus: sans phrase, Heft 11, 2017

Marinus Schöberl wurde in der Nacht vom 12.  auf den 13. Juli 2002 von 3 Neonazis nach stundenlanger Folter in Potzlow (Brandenburg) ermordet. In den Augen der Neonazis war Schöberl „Jude“ und „Untermensch“ und passte somit nicht in das rechtsextreme Weltbild.

Anlässlich des Todestages von Marinus Schöberl zeigen wir (um eine Woche verspätet) den Film „Der Kick“:

Der Regisseur Andres Veiel und die Dramaturgin Gesine Schmidt haben sich über Monate auf Spurensuche nach Potzlow begeben. Sie sprachen mit den Tätern, Dorfbewohnern, Angehörigen von Opfer und Tätern und studierten Akten, Verhörprotokolle, Anklage, Plädoyers und Urteil des Gerichtsprozesses. Die Ergebnisse ihrer Recherche verdichteten sie zu einem filmischen Protokoll für zwei Schauspieler. Der Kick versucht, den Strukturen und Biographien hinter der Tat eine Sprache zu geben.

Für Getränke und eine kleine Einführung ist ebenfalls gesorgt 😉

Trailer:

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