Moishe Postone (* 17. April 1942 – † 19. März 2018)

Der Historiker Moishe Postone ist am Montag, den 19. März 2018 verstorben.

Wir danken ihm für seine theoretische Arbeit, seine politischen Interventionen und die Kritik einer Linken, die keinen Umgang mit Antisemitismus findet.

„Das Problem das sich der Nachkriegsgeneration stellt, ist nicht eines der Schuld. Es besteht vielmehr darin, daß es in Deutschland keine ‚Normalität‘ geben kann, die sich auf der Basis einer Verdrängung oder Verleugnung der Vergangenheit konstituiert. Das gilt genauso für die bürgerliche Kultur wie für jegliche Art oppositioneller oder emanzipatorischer Bewegung. Viele Linke haben sich dieser Vergangenheit nie wirklich gestellt, außer in einer sehr abstrakten und selektiven Art und Weise (z.B. mittels Verdinglichung wie Bürokratie, Kapital, Männerphantasien etc.) und als hätte sie sich vor Jahrhunderten ereignet. Aber es geschah vor 40 Jahren und die meisten Eurer Verwandten haben sie geschaffen und unterstützt. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, daß es so viele vorziehen, außer in allgemeiner Form, so wenig darüber zu erfahren, was die Nazis und deren Unterstützer wirklich in der Welt bewirkt haben.“

Ausschnitt aus: Bitburg: 5. Mai 1985 und danach – Ein Brief an die westdeutsche Linke

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