Gedächtnis und Erinnerung – Eine kleine Filmreihe

Wie wird NS-Geschichte in den Erzählungen der Täter- und Täterinnen-Familien weitergegeben? Wovon sind Erinnerungen von Tätern und Täterinnen beeinflusst und geprägt? Welche Deutungskämpfe bestimmten und bestimmen das öffentliche „Gedächtnis“? Wie gehen Überlebende der Shoah mit dem Erlebten um?

Auf diese Fragen soll unsere Filmreihe „Gedächtnis und Erinnerung“ skizzenhaft Antworten geben. Wir freuen uns, mit euch die Filme zu gucken und zu diskutieren! Für Limo und Bier ist gesorgt 🙂

 

Di 27.03.  |  20 Uhr  |  KuZe Theatersaal: „Was bleibt“

„Was bleibt“ ist einer der ersten Dokumentarfilme, der die familieninterne Auseinandersetzung mit der Shoah sowohl auf der Seite der Täter und Täterinnen, sowie der Opfer beleuchtet. Dabei werden neben den verschiedenen Auffassungen beider Familien auch Kontroversen innerhalb derer deutlich. Er zeigt eindringlich, dass die Vergangenheit stets präsent und immer ein Teil der Gegenwart sein wird, auch wenn dabei die Auswirkungen für die einzelnen Personen verschiedener nicht sein könnten.

R: Gesa Knolle & Birthe Templin
D 2008, Dokumentarfilm
58 min

Trailer:

 

Di 03.04.  |  20 Uhr  |  KuZe Theatersaal: „Liza ruft!“

„Liza ruft!“ ist ein bewegender und politischer Dokumentarfilm über den Holocaust, den jüdischen Widerstand und die Erinnerungspolitik in Litauen und das erste Porträt einer ehemaligen jüdischen Partisanin überhaupt. Im Gespräch mit Fania Brantsovskaya, ihren Angehörigen und Weggefährt_innen schafft „Liza ruft!“ das intime und lebendige Bild einer beeindruckenden Frau, die beides ist: ein Opfer von fortwährender Verfolgung ebenso wie eine unermüdliche und streitbare Akteurin im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit.

R: Christian Carlsen
D 2015, Dokumentarfilm
113 min

Trailer:

 

Di 10.04.  |  20 Uhr  |  KuZe Theatersaal: Jean Améry

Einleitung und Film zu Ideen und Leben Jean Amérys.

Jean Améry war ein Philosoph, der sich mit seinen Werken gegen die deutsche Wiedergutwerdung gewehrt hat und zudem ein beständiger Kritiker der antizionistischen Linken, die er dafür attackierte, dass sie als „paar Verstörte am fehlen Ort mit den falschen Mitteln zur unrechten Zeit“ agierten. Trotz allem ließ er es sich nicht nehmen die bestehende Gesellschaft in ihrer Totalität zu verwerfen, sie aber gegen die Reaktion zu verteidigen.

Drei Monate nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen durch die British Army schrieb Jean Améry den Text „Zur Psychologie des deutschen Volkes“. Er beendet seine Ausführungen mit einem Satz, der sein weiteres Leben nach der unvorstellbaren Barbarei maßgeblich bestimmen sollte: „Wir sind nur von zwei inbrünstigen Wünschen geleitet: die Wahrheit zu erkennen, die irgendwo sehr fern hinter den Erscheinungen liegt, und: zu verhindern, dass jemals wieder unter irgendeinem Vorwand das blutige Abenteuer, das wir wunderbarer Weise lebend überstanden haben, beginnen könnte.“

In einem ZDF-Interview mit Ingo Hermann berichtet Améry über seine Erfahrungen im und seinen Blick auf das 20. Jahrhundert.