70. Jahrestag der Staatsgründung Israels

Gestern begannen in Israel die Feierlichkeiten anlässlich des 70-jährigen Bestehens ebendieses Staates.

„Kommunist*innen“, die historische Tatsachen, wie die Shoah und neue Erkenntnisgewinne in ihrer Theorierezeption ignorieren, werden dem Wesen des Marxismus, dem „geistigen Waffengeklirr der Selbstkritik“, nicht gerecht und verunmöglichen jeglichen Fortschritt kritischen Denkens. Die grundsätzliche Verpöhnung der bürgerlichen Freiheit und ihrer Vorzüge und die symptomatische Sympathie für islamistische Befreiungsbewegung sind dabei Ausdruck einer reaktionären Betrachtung des Verblendungszusammenhangs der Gesellschaft.

Wir hingegen verstehen uns weiterhin im Sinne einer kritisch materialistischen und kommunistischen Linken als dezidiert israelsolidarisch und werden dies, wie auch die Dialektik von Emanzipation und Unterdrückung der bürgerlichen Freiheit zum zentralen Bestandteil unser Theoriearbeit machen! Da die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft angesichts der aktuellen reaktionären Tendenzen ziemlich aussichtslos erscheint, verhält es sich mit dem Zionismus, als vorläufig einzige Möglichkeit dem grassierenden Antisemitismus entgegenzuwirken, wie folgend die Initiative Sozialistisches Forum aus Freiburg schon meinte:

„In dieser Perspektive ist Israel der bewaffnete Versuch der Juden, den Kommunismus noch lebend zu erreichen.“

(Der Kommunismus und Israel. In: Initiative Sozialistisches Forum: Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie. Freiburg (2002) )

Verschwörungsdenken und Ressentiment: „Ostermarsch“ in Potsdam (2018)

Am 24.03.2018 fand unter Beteiligung der Partei Die Linke, der DKP, IPPNW, Mahnwachen für den Frieden und der MLPD der „friedensbewegte“ Ostermarsch in Potsdam statt. Zu sehen war u.a. das unten aufgeführte Plakat.
Neben dem Aspekt der behaupteten (Medien-) Verschwörung wird hier versucht abstrakte Verhältnisse in der kapitalistischen Gesellschaft durch dichotome Schuldzuweisungen zu erklären. Dass diese Art der „linken“ Kritik meist im Ressentiment endet, dürfte eigentlich eigentlich keine neue Erkenntnis sein und sollte Anlass für eine emanzipatorische Linke sein sich klar zu distanzieren.

Im Anschluss an den oben benannten Ostermarsch schlossen sich 2 Leute der MLPD samt Plakat mit der Aufschrift „Gegen jede imperialistische Aggression!“ einer pro-kurdischen Kundgebung anläßlich des „World Afrin Day“ an. Als Genoss*innen die Leute der MLPD auf den Antisemitismus der eigenen Partei ansprachen und baten, das Plakat doch bitte runterzunehmen, reagierte man trotzig und tat überrascht vom Vorwurf des Antisemitismus. Dass ebendiese Partei bei einer Wahlkundgebung im Oktober vergangenen Jahres in Neukölln bezüglich der Lebenssituation von Palästinenser*innen von „KZ- ähnlichen Zuständen“ sprach und damit die Shoah relativierte, ist dabei nur ein Beispiel für den israelbezogenen Antisemitismus dieser Partei. [1]

Desweiteren zeigte sich in der anschließenden Diskussion, dass sie den Slogan ihres Plakats, ohne jedes Bewusstsein für den historischen Hintergrund dieses Staates und die anwährenden Angriffe gegen ihn, schablonenhaft auf Israel übertragen konnten und deuteten militärische Interventionen Israels zwecks Verteidigung und Existenz zu „imperialistischen Agressionen“ um. Für uns hat das nichts mit einer kommunistischen Linken zu tun!
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[1] https://www.tagesspiegel.de/…/antisemitismus-…/20428224.html

„Einführung in die Kritische Theorie“

Fr 20.04. | 19:15 Uhr | Buchladen Sputnik | Vortrag: „Einführung in die Produktionsweise kritischer Theorie“ (Referent: Franz Heilgendorff)

Fr 27.04. | 19:15 Uhr | Buchladen Sputnik | Vortrag: „Zur Funktionsweise von kritischer Theorie und ihren Grenzen“ (Referent: Franz Heilgendorff)

Ankündigungstext:

Der Begriff der kritischen Theorie weckt bei vielen die Hoffnung, etwas über eine kritische Gesellschaftstheorie zu erfahren. Bei manchen erregt er vielleicht auch Abneigung, gegenüber den Zumutungen theoretischer Reflexion angesichts des bestehenden Elends.Verlockend ist sie, weil sie sich aus der Hoffnung speist, den alltäglichen Zirkel von Krisen und Abwehrkämpfen zu durchbrechen, indem sie eine solidarische Handlungsfähigkeit verspricht, die auf das Ziel individueller wie gesellschaftlicher Emanzipation von Herrschaft ausgerichtet ist. Kritische Gesellschaftstheorie stellt eine wissenschaftliche Praxis dar, in der durch begriffliche Arbeit ein kohärentes Bild der gesellschaftlichen Wirklichkeit erzeugt wird. Sie operiert dabei ohne Ideale, von denen aus die Gesellschaft kritisiert wird, sondern Kritik und Analyse von Herrschaft fallen in ihr zusammen.

Dieser gesellschaftliche Erfahrungshorizont eröffnet sich jedoch nicht unmittelbar, sondern setzt eine Kenntnis der Produktionsweise kritischer Theorie voraus. Hierin besteht die Herausforderung, die die kritische Theorie kennzeichnet und die gleichzeitig den Zugang zu ihr erschwert: Die Produktion von Erfahrung in der kritischen Theorie ist über Begriffe (wie Macht, Subjekt, Kritik, Theorie, Produktionsweise, Erfahrung, …) vermittelt, aber diese Begriffe sind selbst Produkt von Theorie und setzen sie voraus. Es verwundert daher wenig, dass die Begriffe und die Produktionsweise kritischer Theorie für viele eine Zumutung darstellen und dies nicht nur, weil sie den Schleier bedrohen, der den Alltag erträglich macht.

In den zwei einführenden Vorträgen soll entsprechend gefragt und dargestellt werden, wie diese Erkenntnisarbeit vollzogen wird. Kritische Theorie wird betrachtet als widerspruchsvolles Verhältnis von Mitteln wissenschaftlichen Denkens und den gesellschaftlichen Verkehrsformen, in denen diese angewandt werden. Es soll also darum gehen, was kritische Theorie ist, wie sie zu ihren Begriffen kommt und wie durch diese Begriffsarbeit Analyse, Kritik und Transformation von Gesellschaft realisiert werden kann. Dabei zeichnen sich auch Grenzen und Widersprüche ab, für die durch eine kollektiven Aneignung Lösungswege gesucht und diskutiert werden müssen: Es lässt sich zeigen, dass die Vorgehensweise kritischer Theorie innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft Gefahr läuft, gesellschaftliche Trennungen von Beginn an zu reproduzieren – indem z.B. abstraktes Denken stets voraussetzt, dass von dem Leid abstrahiert wird, das ursprünglich die Reflexion ausgelöst hat u.ä.m.

Moishe Postone (* 17. April 1942 – † 19. März 2018)

Der Historiker Moishe Postone ist am Montag, den 19. März 2018 verstorben.

Wir danken ihm für seine theoretische Arbeit, seine politischen Interventionen und die Kritik einer Linken, die keinen Umgang mit Antisemitismus findet.

„Das Problem das sich der Nachkriegsgeneration stellt, ist nicht eines der Schuld. Es besteht vielmehr darin, daß es in Deutschland keine ‚Normalität‘ geben kann, die sich auf der Basis einer Verdrängung oder Verleugnung der Vergangenheit konstituiert. Das gilt genauso für die bürgerliche Kultur wie für jegliche Art oppositioneller oder emanzipatorischer Bewegung. Viele Linke haben sich dieser Vergangenheit nie wirklich gestellt, außer in einer sehr abstrakten und selektiven Art und Weise (z.B. mittels Verdinglichung wie Bürokratie, Kapital, Männerphantasien etc.) und als hätte sie sich vor Jahrhunderten ereignet. Aber es geschah vor 40 Jahren und die meisten Eurer Verwandten haben sie geschaffen und unterstützt. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, daß es so viele vorziehen, außer in allgemeiner Form, so wenig darüber zu erfahren, was die Nazis und deren Unterstützer wirklich in der Welt bewirkt haben.“

Ausschnitt aus: Bitburg: 5. Mai 1985 und danach – Ein Brief an die westdeutsche Linke

Gedächtnis und Erinnerung – Eine kleine Filmreihe

Wie wird NS-Geschichte in den Erzählungen der Täter- und Täterinnen-Familien weitergegeben? Wovon sind Erinnerungen von Tätern und Täterinnen beeinflusst und geprägt? Welche Deutungskämpfe bestimmten und bestimmen das öffentliche „Gedächtnis“? Wie gehen Überlebende der Shoah mit dem Erlebten um?

Auf diese Fragen soll unsere Filmreihe „Gedächtnis und Erinnerung“ skizzenhaft Antworten geben. Wir freuen uns, mit euch die Filme zu gucken und zu diskutieren! Für Limo und Bier ist gesorgt 🙂

 

Di 27.03.  |  20 Uhr  |  KuZe Theatersaal: „Was bleibt“

„Was bleibt“ ist einer der ersten Dokumentarfilme, der die familieninterne Auseinandersetzung mit der Shoah sowohl auf der Seite der Täter und Täterinnen, sowie der Opfer beleuchtet. Dabei werden neben den verschiedenen Auffassungen beider Familien auch Kontroversen innerhalb derer deutlich. Er zeigt eindringlich, dass die Vergangenheit stets präsent und immer ein Teil der Gegenwart sein wird, auch wenn dabei die Auswirkungen für die einzelnen Personen verschiedener nicht sein könnten.

R: Gesa Knolle & Birthe Templin
D 2008, Dokumentarfilm
58 min

Trailer:

 

Di 03.04.  |  20 Uhr  |  KuZe Theatersaal: „Liza ruft!“

„Liza ruft!“ ist ein bewegender und politischer Dokumentarfilm über den Holocaust, den jüdischen Widerstand und die Erinnerungspolitik in Litauen und das erste Porträt einer ehemaligen jüdischen Partisanin überhaupt. Im Gespräch mit Fania Brantsovskaya, ihren Angehörigen und Weggefährt_innen schafft „Liza ruft!“ das intime und lebendige Bild einer beeindruckenden Frau, die beides ist: ein Opfer von fortwährender Verfolgung ebenso wie eine unermüdliche und streitbare Akteurin im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit.

R: Christian Carlsen
D 2015, Dokumentarfilm
113 min

Trailer:

 

Di 10.04.  |  20 Uhr  |  KuZe Theatersaal: Jean Améry

Einleitung und Film zu Ideen und Leben Jean Amérys.

Jean Améry war ein Philosoph, der sich mit seinen Werken gegen die deutsche Wiedergutwerdung gewehrt hat und zudem ein beständiger Kritiker der antizionistischen Linken, die er dafür attackierte, dass sie als „paar Verstörte am fehlen Ort mit den falschen Mitteln zur unrechten Zeit“ agierten. Trotz allem ließ er es sich nicht nehmen die bestehende Gesellschaft in ihrer Totalität zu verwerfen, sie aber gegen die Reaktion zu verteidigen.

Drei Monate nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen durch die British Army schrieb Jean Améry den Text „Zur Psychologie des deutschen Volkes“. Er beendet seine Ausführungen mit einem Satz, der sein weiteres Leben nach der unvorstellbaren Barbarei maßgeblich bestimmen sollte: „Wir sind nur von zwei inbrünstigen Wünschen geleitet: die Wahrheit zu erkennen, die irgendwo sehr fern hinter den Erscheinungen liegt, und: zu verhindern, dass jemals wieder unter irgendeinem Vorwand das blutige Abenteuer, das wir wunderbarer Weise lebend überstanden haben, beginnen könnte.“

In einem ZDF-Interview mit Ingo Hermann berichtet Améry über seine Erfahrungen im und seinen Blick auf das 20. Jahrhundert.