Claude Lanzmann: »Shoah«

In den 70er Jahren baten einige Israelis Claude Lanzmann einen Film über das »Unfilmbare, Unzeigbare und Undenkbare« zu drehen. Der Regisseur gab mit »Shoah« keine Antwort auf die Frage nach dem »Warum«, der eine Art »Zwangsläufigkeit« der historischen Zäsur anhaftet. Sondern versuchte von 1974 bis 1985 Opfer, Täter und Zuschauer der Shoah in Europa und vor allem in Polen zu befragen und ihre Erinnerungen zu dokumentieren. »Shoah« zeigt nicht das Verbrechen an sich, da eine bildliche Nachstellung des absoluten Grauens undenkbar ist, sondern die Menschen, die es gesehen haben, und die Orte der Vernichtung: Treblinka, Sobibor, Auschwitz, Chelmno und Warschau. Mit dem Film beruft sich Lanzmann auf das Leben, das für ihn durch den Hass auf den Tod bestimmt wird.

Wir wollen mit euch jeden Dienstag im Februar einen Teil des Films schauen. Simone de Beauvoir merkte einmal an, dass es nicht einfach sei, über »Shoah« zu sprechen – wir würden dennoch nach den Filmabschnitten in einen Austausch über das Gesehene treten.

***********************************************

Shoah – Ein Film von Claude Lanzmann
Jeden Dienstag im Februar ab 19 Uhr im KuZe Theatersaal.

»Freiheit ist keine Metapher« & einjähriges Jubiläum

Am 12. Januar erwarten euch gleich zwei Veranstaltungen: Eine Buchvorstellung des Sammelbandes Freiheit ist keine Metapher und das einjährige Jubiläum im Anschluss.

20 Uhr:
„Der Sammelband Freiheit ist keine Metapher erinnert an das Glücksversprechen der Emanzipation, das seit den 1990er Jahren, im Zuge der Popularisierung von Genderfeminismus, Antirassismus und Queer Theory, verworfen worden ist – historisch, politisch wie theoretisch. Rund 40 Autorinnen und Autoren untersuchen in sieben thematischen Sektionen wesentliche daraus resultierende Fehlentwicklungen, die heute in den angeblich aufgeklärten Arealen der Wissenschaft und im zeitgenössischen Aktivismus dominant anzutreffen sind: so etwa Kulturrelativismus, Ethnopluralismus oder die Renaissance antiimperialistischer Ideologie. Die Beiträge verfolgen überwiegend einen analytischen Anspruch und haben zum Ziel, die mit Beißreflexe ersichtlich gewordenen Probleme weiter zu ergründen. Die vier Untersuchungsgegenstände Antisemitismus, Migration, Rassismus, Religionskritik werden dabei aus dezidiert geschlechter- wie sexualitätspolitischer Warte angegangen.

Yasemin Makineci und Polina Kiourtidis, beide Beitragende zur Anthologie, werden diese gemeinsam mit deren Herausgeber Vojin Saša Vukadinović vorstellen und sich dabei auf die Frage konzentrieren, weshalb der Antizionismus derzeit solch einen queeraktivistischen und antirassistischen Erfolg erlebt.“

Ab 22 Uhr:
Nach der Buchvorstellung wollen wir mit euch auf das einjährige Bestehen von Konsensnonsens anstoßen. Im hauszwei erwarten euch All Time Favorites, Trash, elektronische Tanzmusik und Schnaps vom Solistand. Weitere Infos folgen!

Zwei Veranstaltungen zum 100. Todestag Luxemburgs und Liebknechts

DIENSTAG, 8. JANUAR 2019: TROTZ ALLEDEM! (FILM)

Um 20 Uhr zeigen wir im Fanladen Babelsberg die Filmbiographie „Trotz alledem!“, die Karl Liebknechts Leben von 1918 bis 1919 behandelt. Danach können wir bei einem Getränk über den Film diskutieren.

Adresse: Rudolf-Breitscheid-Str. 19, 14482 Potsdam

 

DIENSTAG, 15. JANUAR 2019: GEDENKEN

Um 18 Uhr treffen wir uns am Karl Liebknecht Forum hinter dem Mercure Hotel zur Gedenkveranstaltung. Dort werden Redebeiträge vom Filmstadt Inferno 1999 und Konsensnonsens gehalten.

Adresse: Karl-Liebknecht-Forum, Neuer Lustgarten, 14467 Potsdam

 

Der Gründungspfeiler der Weimarer Republik war die Angst der Deutschen vor der Möglichkeit des Kommunismus, die in der Gewalt gegen die Sympathisanten einer freien Gesellschaft mündete. In diesem Sinne führten Freikorpssoldaten am 15. Januar 1919 den Schießbefehl des Sozialdemokraten Gustav Noske gegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aus.

Der Schulterschluss der deutschen Sozialdemokratie mit reaktionären Kräften gegen das auserkorene Feindbild des „jüdischen Bolschewismus“ und die damit einhergehende Brutalisierung der Gesellschaft stellen einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Durchbruch der Barbarei im Nationalsozialismus dar. Wir wollen der Ermordeten am 100. Jahrestag gedenken und im Bewusstsein des Grauens an der Möglichkeit einer besseren Gesellschaft festhalten.

Vortrag »Antisemitismus im Feminismus«

+++ Neuer Termin: Mittwoch, 21.11.  |  19:30 Uhr  |  Sputnik Buchladen in der Charlottenstraße 28, Potsdam +++

Ein Vortrag von Merle Stöver

Antisemitismus ist Ressentiment, politische Bewegung und Ideologie zugleich. Er beansprucht für sich, die Welt erklären zu können. Dass dieses als Phänomen auch feministische Bündnisse, Theoretikerinnen und Aktivistinnen betrifft und feministische Kämpfe und Positionierungen überschattet, ist daher nicht sonderlich überraschend, soll jedoch genauer betrachtet werden: Denn Feminismus stellt nach wie vor eine gesellschaftliche Notwendigkeit dar, die immer Teil einer Gesellschaftsanalyse und -kritik sein muss.
Der Vortrag richtet den Blick auf die historischen Frauenbewegungen, auf feministische Debatten und äußert eine innerfeministische Kritik an aktuellen „Ikonen“ und Bündnissen.

Filmabend: „Der Kick“

Fr 20.7. | 20:00 Uhr |  Haus 1, Seminarraum 2 (FreiLand)

 

Der zweite Schub von Misshandlungen beginnt. Marco Schönfeld wirft ihm nun etwas Spezifisches vor: mit seinen blondierten Haaren wolle Marinus ‚vertuschen‘, dass er Jude sei. Die weiteren Fausthiebe sollen ein Geständnis erzwingen. Monika Spiering und ihr Lebensgefährte sind die ganze Zeit anwesend. Die Quälereien auf ihrer Veranda unterbinden sie nicht und Spiering meint schließlich lapidar zum Geprügelten: „Nu sag schon, dass du Jude bist, dann hören die auf.“ Irgendwann sind der Schmerz und die Verzweiflung zu groß, und Marinus sagt: „Ja, ich bin Jude“. „Dann ging es richtig los“, wie Marcel Schönfeld mit all der nüchternen Rohheit in seiner zweiten Vernehmung zu Protokoll gab.“
– Markus Bitterolf, „Über den Mord an Marinus Schöberl vor 15 Jahren“

aus: sans phrase, Heft 11, 2017

Marinus Schöberl wurde in der Nacht vom 12.  auf den 13. Juli 2002 von 3 Neonazis nach stundenlanger Folter in Potzlow (Brandenburg) ermordet. In den Augen der Neonazis war Schöberl „Jude“ und „Untermensch“ und passte somit nicht in das rechtsextreme Weltbild.

Anlässlich des Todestages von Marinus Schöberl zeigen wir (um eine Woche verspätet) den Film „Der Kick“:

Der Regisseur Andres Veiel und die Dramaturgin Gesine Schmidt haben sich über Monate auf Spurensuche nach Potzlow begeben. Sie sprachen mit den Tätern, Dorfbewohnern, Angehörigen von Opfer und Tätern und studierten Akten, Verhörprotokolle, Anklage, Plädoyers und Urteil des Gerichtsprozesses. Die Ergebnisse ihrer Recherche verdichteten sie zu einem filmischen Protokoll für zwei Schauspieler. Der Kick versucht, den Strukturen und Biographien hinter der Tat eine Sprache zu geben.

Für Getränke und eine kleine Einführung ist ebenfalls gesorgt 😉

Trailer:

Konsensnonsens- Kneipe

Di 17.7. | 20:00 | Kühler Keller

Laut Wetterbericht werden es an diesem Tag gefühlte tropische 32° (Stand: 07.07.18).

Was bietet sich da mehr an, als den Tag im Kühlen Keller ( aka ihr wisst schon wo ) bei der Konsensnonsens-Kneipe ausklingen zu lassen?

Voraussichtliche Specials sind Wassereis und Buttonmaschine!

Los geht´s um 20 Uhr, gebt euren Genoss*innen Bescheid und kommt rum!

Plädoyer für eine inhaltliche Diskussion statt einer reflexartigen Diffamierung

Nachdem ein Vortrag von Felix Perrefort mit dem Titel „Islamisierung und antirassistisches Appeasement“ in Mainz von verschiedenen örtlich aktiven Antifagruppen gestört und verunmöglicht wurde, soll dieser Vortrag nun, organisiert von der Hochschulgruppe SPME (Students for Peace in the Middle East), an der Uni Potsdam stattfinden. Die Agitationen gegen Perrefort und die damit einhergehende Kritik verfehlen überwiegend in spektakulärer Weise ihren Gegenstand. Die Publikationen der auserkorenen linken Opposition gingen dabei über verleumderische Reflexe und systematische Verzerrungen seiner Zitate kaum hinaus.

Was wir zu Perreforts Ausarbeitungen und der gegnerischen Rezeption jener denken, soll dieser Text in aller Prägnanz, in essayistischer Form, darstellen. Wir beschränken uns dabei lediglich auf den konkreten Gegenstand des Vortrags.

Wir fordern keine kritiklose Affirmation der islamkritischen Polemiken Perreforts, verteidigen diese jedoch als Vertreter einer marxistischen Denktradition und charakterisieren die personellen Zuschreibungen als „Rassisten“ oder „Rechtspopulisten“, die ihm entgegengebracht worden sind, als völlig unangebracht und undifferenziert. Diese Stigmatisierung ignoriert die diametral entgegengesetzten theoretischen Grundlagen und Geisteshaltungen von linken Islamkritiker*innen und faktischen Rassist*innen, wodurch eine inhaltliche Auseinandersetzung unterbunden wird. Gerade Perrefort hat sich in der Vergangenheit als diskussionsfreudig erwiesen und auf jede Art der Kritik reagiert [1] [2].
Wir werden uns nicht, wie vermutlich erwartet, an den vereinzelten polemisierten Formulierungen seiner Veröffentlichungen abarbeiten, da diese unseres Erachtens nicht wesentlich für seine Politik und Theorie, sondern eher Ausdruck einer typisch stilistischen Überzeichnung sind. Und JA (!), wir kritisieren diese Überzeichnung mit Hinblick auf Zweck und Wirkung bis zu einem gewissen Grad, werden uns jedoch nicht bei der Beurteilung seiner politischen und theoretischen Arbeit auf sie beschränken. Denn modischer Dekonstruktivismus ist nicht das Anliegen unserer Auseinandersetzung.

Die Tatsache, dass Perrefort beispielsweise explizit die AfD kritisiert [3], dass er sich einer innerislamischen Vielfalt natürlich bewusst ist oder dass er sich mit Asylsuchenden, die „hierzulande erneut von ihren unfreiwilligen Glaubensbrüdern terrorisiert werden“ solidarisiert [4], überlesen Kritiker*innen Perreforts bewusst. Man beschränkt sich lieber auf die fragmentarische Bearbeitung von Perreforts Texten und Facebook-Veröffentlichungen und nutzt entkontextualisierte Zitate aus jenen gegen ihn.

Diese Methode soll an dieser Stelle durch einige Zitate des gegnerischen Kollektivs verdeutlicht werden:

„Weiterhin hat er einen Text geschrieben mit dem Titel „Der Sieg über den Islam wird
weiblich sein“. Dies impliziert schonmal [sic.], dass es einen Sieg über den Islam geben sollte.
An welche Zeiten uns das zurückerinnert, möchten wir an dieser Stelle nicht erwähnen.“ [5]

Die Absurdität des erzwungenen Vergleichs zwischen Perreforts Text und dem Nationalsozialismus ist dem Mainzer Kollektiv durchaus bewusst, deshalb verzichten sie in diesem Abschnitt auf eine klare Artikulation ihrer Gedanken und hüllen sich in einen Mantel des vielsagenden Schweigens. Es ist indiskutabel, dass Muslime und Muslima nicht die „neuen Juden und Jüdinnen“ sind und auch dass Rassismus und Antisemitismus unterschiedliche Kategorien sind, scheinen leider kontinuierlich nicht alle Teile der sogenannten Linken verstanden zu haben. Die stetige Gleichsetzung von Rassismus und Antisemitismus lässt die Shoah zu einem trivialen Ereignis unter vielen verkommen und die ausführenden Akteure dieser Kategorienvermischung beteiligen sich somit an der Rekonstitution deutscher Ideologie und einer damit einhergehenden Wiedergutwerdung, die verdeckt auf „Schlussstrich“ drängt. Die Singularität der Shoah wird durch solche Aussagen der Gutmenschlichen Aktion Mainz verwässert und dabei Inkommensurables kommensurabel gemacht. Perrefort eine implizite Nähe zur nationalsozialistischen Barbarei nachzusagen, stellt dabei eine blanke Verleumdung dar.

»Dass viele Muslima das Kopftuch tragen, obwohl sie dafür diskriminiert und angefeindet werden, zeigt, dass sie um ihre Freiheit kämpfen müssen. Die Freiheit, das Kopftuch zu tragen, gegen den Willen der rassistischen Mehrheitsgesellschaft und der rassistischen Institutionen, die immer weniger Frauen mit Kopftüchern tolerieren.« [ebd.]

Die misslungene Bestrebung, auf Biegen und Brechen das Tragen des Kopftuchs als einen Akt einer antirassistischen Praxis zu verklären, zeigt nur ein weiteres Mal auf, inwieweit der universalistische Anspruch dieser Linken verloren gegangen ist. Die gewünschte Religionsfreiheit, die sich die Verteidiger einer Weltreligion vorstellen, wurde erst durch eine harsche Kritik der verschiedenen Glaubenslehren durch die Aufklärung erreicht. Die Akteure verwechseln hier religiös-symbolischen Schein mit einer materiellen Realität und es ist daher nicht verwunderlich, dass sie die Kategorien Rassismus und Religionskritik erneut verwechseln und ineinander werfen. Sama Maani sagt zu dieser konventionellen Problematik in der Linken folgendes: „Falsche Begriffe wie »Islamophobie« oder »antimuslimischer Rassismus« reproduzieren nun – zum einen – den neuen Rassismus, indem sie den Islam implizit als unabänderliche, quasigenetische Eigenschaft von Menschen aus Gesellschaften mit islamischer Bevölkerungsmehrheit auffassen. Anders könnte ja die Furcht vor einer Glaubenslehre (»Islamophobie«) oder ihre Ablehnung (»antimuslimisch«) nicht »rassistisch« sein. Zum anderen und darüber hinaus suggerieren diese Begriffe, es gäbe zwischen kritischen, ablehnenden oder auch feindseligen Positionen gegenüber einer Glaubenslehre und dem Rassismus irgendeine denkmögliche Verbindung. Dass also auch Religionskritik rassistisch (sprich unmöglich) sein kann. So wird jene Religionskritik sabotiert, die der Religionsfreiheit zugrunde liegt – und paradoxerweise auch die Religionsfreiheit der Muslime hintertrieben, die die Vertreter dieser Begriffe ja schützen wollen.“ [6].

Die posthistorische Opposition zur Aufklärung verkennt die dialektische Verbindung aus einer realen Möglichkeit zur Schaffung eines wahrhaft menschlichen Zustands und der inhärenten Tendenz zur Regression. Deswegen ist es auch nicht merkwürdig, wenn andere Kritiker*innen Perreforts einer Linken, die an Aufklärung festhalten will, vorwerfen, dass „Rassismus und Kolonialismus“ für sie als die „kleineren Probleme im Prozess der Genesung der westlichen Welt“ erscheinen [7]. Dabei sei nur darauf verwiesen, dass die Aufklärung die Bedingung der Möglichkeit des Kommunismus ist und eine Kritik des Rassismus und Kolonialismus ohne die erreichte Mündigkeit denkunmöglich ist. Der selbe Text erhebt die Vorwürfe, dass Perrefort eine „Unterwanderung der BRD durch die Muslimbruderschaft“ behaupten würde und zu „Schilderungen wechselt, welch ekelhafte Lebensweisen europäische Muslime pflegen würden“ [ebd.]. Ein Quellencheck in Perreforts Text „Der islamische Antirassismus“ zeigt hingegen, dass er keine „Unterwanderung der BRD“ behauptet, sondern die Verbindungen vom Zentralrat der Muslime und der Islamischen Gemeinschaft Deutschland zu regressiven islamischen Gruppierungen und Persönlichkeiten analysiert [8]. Die Anschuldigungen, Perrefort würde Muslime als „ekelhaft“ charakterisieren, entspringen aus der Verzerrung eines Zitats von Thomas Mahler, das Perrefort selbst als „besonders drastisches Beispiel“ markiert, indem der EMMA-Autor sich mit den Initiativen SOS La Chapelle und Demain La Chapelle über die Zustände in ihrem Viertel im Norden von Paris unterhält [ebd.]. An dieser Stelle sei an die Worte Leo Löwenthals erinnert, der damals bereits erkannte, dass es ein Symptom der Postmoderne ist, dass „Realität in einer raffinierten, oft skurrilen Semantik schlechthin geleugnet wird. Realität leugnen heißt aber … Abwendung von der Realität des Leides der menschlichen und außermenschlichen Kreaturen.“ [9].

Letztendlich offenbaren die Reaktionen auf Perreforts Vortrag erneut die Irrwege linker Strömungen, die aufzeigen, wie bitternötig die Etablierung von Islamkritik und eine Kritik des Antirassismus in linken Zusammenhängen ist. Ob diese nun mit oder ohne den überzeichnenden Charakter Perreforts stattfindet oder ein größerer Fokus auf eine ökonomisch-materialistische Analyse gelegt werden sollte (siehe hierzu: Bassam Tibi [10]), wäre in zukünftigen Debatten zu klären.

Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Wahlergebnisse, wie der zunehmenden islamistischen Formierung in der Türkei, gilt es unseren Genoss*innen, die mit ebendiesen Zuständen zu kämpfen haben, den Rücken zu stärken. Dafür benötigt es ein Eingedenken in das Leid der Menschen, deren Apostasie nicht akzeptiert wird und deren Erfüllung des Wunsches nach einem guten Leben, auch durch fehlende Solidarität und Verrat einer europäischen Linken, in weiter Ferne zu sein scheint. Ein falsch verstandener Antirassismus, der die Reaktion und Repression im Namen des politischen Islams toleriert, muss kritisiert werden. Ansonsten verkommen Verteidiger*innen dieser Praxis, zu Advokaten menschenverachtender, totalitärer oder faschistischer Ideologien.

Wir rufen deshalb zum harten Streit und zur zivilisierten Debatte auf, statt zur Störung der Veranstaltungen und zur moralischen Entrüstung über die Thematiken, die den linken Burgfrieden aufbrechen.

Gegen die Einheit, für den Widerspruch!

[1]https://thunderinparadise.org/2018/06/15/ueber-knilche/
[2]https://www.facebook.com/SDHGUP/posts/479362769180591?comment_id=479497105833824&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R8%22%7D
[3] https://www.facebook.com/felix.perrefort.75/posts/219627235507361
[4]https://www.facebook.com/events/471213049975313/
[5]https://antifa-mainz.org/wp-content/uploads/2018/05/Informationen-u%CC%88ber-Felix-Perrefort.pdf
[6]https://jungle.world/artikel/2018/13/falsche-begriffe-wie-islamophobie-reproduzieren-den-neuen-rassismus
[7]https://www.facebook.com/SDHGUP/posts/479362769180591
[8]https://www.degruyter.com/downloadpdf/j/zksp.2018.5.issue-1/zksp-2018-0004/zksp-2018-0004.pdf S. 53-54
[9] Leo Löwenthal: Rede anläßlich der Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises am 1. Oktober 1989. In: Untergang der Dämonologien. Studien über Judentum, Antisemitismus und faschistischen Geist. Leipzig 1990, S. 7.
[10] Die Krise des modernen Islam. Eine vorindustrielle Kultur im wissenschaftlich-technischen Zeitalter. München, 1981: C. H. Beck. ISBN 3-518-28489-4.

50 Jahre Sprengung der Garnisonkirche

„Geschichte erinnern – Verantwortung lernen

                          Versöhnung leben „

-Aufschrift auf dem Informationsraum vor der aktuellen Baustelle zum Wiederaufbau der Garnisonkirche

 

Wer sich hier mit wem versöhnt, bestimmen ja wohl immer noch die Deutschen!

Am 23. Juni 1968 wurde die Garnisonkirche nach Beschluss der SED endgültig gesprengt. Das Vorhaben eine Kirche wiederaufzubauen, die schon vor 1918 für „militaristische, antidemokratische und nationalistische Gesinnungen“ [1] stand, die während der Weimarer Republik der „Symbolbau der extremen Rechten schlechthin“ [2] war, in der die symbolische Machtübergabe und Versöhnung von alten und neuen Rechten stattfand, in der die NSDAP u.a. Gautage veranstaltete und die zur Zeit des Nationalsozialismus als „Wehrmachtseelsorge“ fungierte, kann nur als Projekt einer geschichtsrevisionistischen Erinnerungspolitik betrachtet werden.
Das Bild einer Kirche, die von der NSDAP lediglich missbraucht worden war, hält der Realität nicht stand.

Das Projekt des Wiederaufbaus der Garnisonkirche ist ein weiterer Teil einer deutschen „Wiedergutwerdungspolitik“, bei der die krampfhafte, von Deutschen verordnete „Versöhnung“ die „Erinnerung als höchste Form des Vergessens“ (Eike Geisel) darstellt.

[1] Matthias Grünzig, Für Deutschtum und Vaterland – Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert, Berlin 2017

[2] ebd.

 

 

Koschka Linkerhand: „Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen“

Do 12.7. | 18:00 Uhr | Café HausZwei (FreiLand)

Vortrag:

„Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen“ – Eine materialistische Kritik des Patriarchats  (Referentin: Koschka Linkerhand)

 

Ankündigungstext:

Mit berechtigtem Schrecken stehen Feministinnen vor dem frauenfeindlichen Rechtsruck, der sich in vielen Ländern und in vielen Teilen der Gesellschaft abzeichnet. Offensichtlich ist es nötiger denn je, globale Perspektiven von Frauenunterdrückung und Frauensolidarität ins Auge zu fassen und das Geschlechterverhältnis in engem Zusammenhang mit den Produktionsverhältnissen zu analysieren. Hier kann auf den materialistischen Feminismus zurückgegriffen werden, den Theoretikerinnen seit Simone de Beauvoir erarbeitet haben. Das Patriarchat als ein Herrschaftsverhältnis zwischen Frauen und Männern dient dabei als zentrale Analysekategorie.

Heute ist klar, dass weitere, vielfältige Unterdrückungskategorien in die feministische Analyse einbezogen werden müssen und dass Identitätspolitik nicht nur von Frauen ein notwendiger Teil linker Politik sein muss. Dennoch scheint der queerfeministische Fokus auf Vielfalt, Betroffenheit und den richtigen Sprachgebrauch keine ausreichende politische Strategie mehr zu bieten. Wie kann eine materialistische Patriarchatskritik Ausgangspunkt für eine zeitgemäße feministische Theorie sein, die realpolitisch handlungsfähig macht – gerade vor der utopischen Perspektive, dass Patriarchat und Kapitalismus endlich abgeschafft werden müssen?

 

 

70. Jahrestag der Staatsgründung Israels

Gestern begannen in Israel die Feierlichkeiten anlässlich des 70-jährigen Bestehens ebendieses Staates.

„Kommunist*innen“, die historische Tatsachen, wie die Shoah und neue Erkenntnisgewinne in ihrer Theorierezeption ignorieren, werden dem Wesen des Marxismus, dem „geistigen Waffengeklirr der Selbstkritik“, nicht gerecht und verunmöglichen jeglichen Fortschritt kritischen Denkens. Die grundsätzliche Verpöhnung der bürgerlichen Freiheit und ihrer Vorzüge und die symptomatische Sympathie für islamistische Befreiungsbewegung sind dabei Ausdruck einer reaktionären Betrachtung des Verblendungszusammenhangs der Gesellschaft.

Wir hingegen verstehen uns weiterhin im Sinne einer kritisch materialistischen und kommunistischen Linken als dezidiert israelsolidarisch und werden dies, wie auch die Dialektik von Emanzipation und Unterdrückung der bürgerlichen Freiheit zum zentralen Bestandteil unser Theoriearbeit machen! Da die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft angesichts der aktuellen reaktionären Tendenzen ziemlich aussichtslos erscheint, verhält es sich mit dem Zionismus, als vorläufig einzige Möglichkeit dem grassierenden Antisemitismus entgegenzuwirken, wie folgend die Initiative Sozialistisches Forum aus Freiburg schon meinte:

„In dieser Perspektive ist Israel der bewaffnete Versuch der Juden, den Kommunismus noch lebend zu erreichen.“

(Der Kommunismus und Israel. In: Initiative Sozialistisches Forum: Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie. Freiburg (2002) )